Der Europabrunnen von Grafenwörth

Ein Werk von Michail Nogin und Prof. Hans Muhr

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Ein Europabrunnen für Grafenwörth


Eine Betrachtung von Reinhard Bimashofer


Der neue Europabrunnen in Grafenwörth, Niederösterreich, erinnert an die griechische Mythologie und eine stürmische Liebe. Darin ist jedoch noch viel mehr zu sehen. Je nach Standpunkt und Absicht. Machen Sie das Experiment. Bei Tageslicht und in der Romantik des Abends. Jedenfalls ist er eine Liebeserklärung an die vielen schönen Seiten der Europa-Idee. Geschaffen von den Bildhauern Michail Nogin (Skulptur) und Hans Muhr (Wasserspiel).


Die unwiderstehliche Europa rastet auf dem aus dem Wellenspiel entwachsenden Stier, dem verwandelten Zeus. Der oberste Gott der griechischen Mythologie hatte sich in Europa verliebt. Zur Tarnung seines Verlangens vor seiner argwöhnischen Gattin Hera verwandelte sich Zeus in einen Stier. Dieser wurde von Zeus Boten Hermes mit einer Kuhherde in die Nähe der spielenden Europa, der Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa, getrieben. Der Zeus-Stier entführte die Angehimmelte auf seinem Rücken und schwamm mit ihr zur Insel Kreta, wo er sich in seine göttliche Statur zurückverwandelte und mit Europa in der Folge drei Kinder zeugte.


Wir sehen: Nicht alles, was mit Europa höchst kompliziert beginnt, muss böse enden! Dieses Happy-End hatte wohl auch Grafenwörths Bürgermeister Alfred Riedl vor Augen, als er an prominenter Stelle im Ort den nun eröffneten Europabrunnen wollte.


Gelassen ruht die Schöne auf dem Sinnbild für Stärke, Revier, Abgrenzung und Energie. Eine seltene Allianz, doch wieso nicht. Liebe, bewusstes Miteinander und der Wille zum Gemeinsinn können derlei schon möglich machen.


Zumindest in der pulsierenden niederösterreichischen Wachstumsgemeinde Grafenwörth ist der Stier ein sanfter, ein einladender, ein begeisternder, den der Wiener Bildhauer Michail Nogin mit seiner Gattin Lena gestaltet hat. Ganz im Sinne von Bürgermeister Alfred Riedl, dessen Politik den Ort so eindrucksvoll verändert.


Mit einem Kleinwasserkraftwerk mit Fischleiter gleich neben dem neuen Europabrunnen. Naturstimmig und kunstsinnig. Sensibel im Umgang mit Energie. Der ganze Ort als erster Österreichs mit LED-Straßenbeleuchtung und 70%iger Energieeinsparung. Den Menschen gefällt es. Ein Wirtschaftstreuhänder als Vollblutpolitiker und Wirtschaftsprofi. Alfred Riedl ist auf eine Art einnehmend, die als klare Antwort auf Politikverdrossenheit gelten kann. Als Glücksfall für seinen Heimatort.


Der Europabrunnen führte nach dem Nibelungenbrunnen an der Donau in Tulln zur zweiten großen Zusammenarbeit von Michail Nogin mit Wasserbildhauer Hans Muhr. Dieser steuerte als wohl erfolgreichster Brunnenkünstler Österreichs das einer genauen Choreographie folgende Wasserspiel bei. Es sind Ströme an der Oberfläche, abends beleuchtet, die aufeinandertreffen und dann im meditativen Miteinander als Wellenspiel tanzen. Hans Muhr hat den Wellentanz ganz der mächtigen Skulptur untergeordnet: „Es geht mir um die sanfte Bewegung und Veränderung. Um ein stetes Feilen an den Aufgaben. Wie in der EU der 27.“


Es ist das Blau Niederösterreichs, das auch das Blau Europas ist, das in der Farbgebung der Umrahmung des Brunnens neben dem modernen Sozialzentrum Verwendung fand. Der Europagedanke gibt dem pulsierenden Geschehen den Rahmen. Wagnis und Einlassung mit einem erhofften positiven Ausgang. So mag man den Stier und die zierliche Europa deuten. Mögen sich die Wogen der wirtschaftlichen Turbulenzen so glätten, wie die Wellen des Europabrunnens im täglichen Spiel.


Michail Nogins arbeitet seit 35 Jahren an Skulpturen und gilt als Großmeister seines Fachs. Wiewohl Universalist als Künstler, der auch eine neue künstlerische Fototechnik entwickelt hat, deren bahnbrechende Ergebnisse er demnächst in New York präsentieren wird. Sein Stier ist ein Meisterwerk mehr dieses Russen, der Österreich zum Zentrum seines Lebens und Schaffens gemacht hat. In Kürze könnte eine Nogin-Skulptur von Sigmund Freud einen prominenten Platz in Wien zieren.


Mit dem Europabrunnen hat sich Grafenwörth jedenfalls höchst geschickt auf die kulturpolitische Europakarte gesetzt und sogar EU-Kommissar Johannes Hahn hat das Kunstwerk im Zuge seiner NÖ-Tour besichtigt. Ein gewitzter Schachzug eines offenen Bürgermeisters, ein Signal einer Region, die damit Sympathien weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus generiert.


 
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